Was erhofft man sich von einer Konferenz mit 420 Gaesten im Zeremoniensaal der Hofburg in Wien? Ich kam wegen den Keynotes “the future is now” von Om Malik (GigaOM) und “Die Verschmelzung von Internet, E-Commerce und audiovisuellen Medien” von Jeff Barr (Amazon). Nach einfuehrenden Worten und politischen Appellen (Ich lernte, dass oesterreichische Bauern ausserhalb urbaner Infrastruktur neben Traktoren auch Breitbandinternet brauchen), die wesentlich laenger als geplant ausfielen, begann die Konferenz mit Om Malik. Allerdings erschien dieser nicht persoenlich, sondern in Form einer Videoaufzeichnung mit schlechter Audioqualitaet per Leinwand. Seine Visionen des Internets in fuenf bis zehn Jahren zeichneten ein Bild von symmetrischer Connectivity im Bereich von 100 MBit bis zu mehreren Gigabit, den Moeglichkeiten der Contentdistribution und der Ortsunabhaengigkeit der Rezipienten. Spannend, aber ich hatte mir seine Praesenz und seine Kommentare auf die anderen Konferenzvortraege erhofft.
Jeff Barr erklaerte im Anschluss die Amazon Webservices und deren Anwendungsmoeglichkeiten, fuer mich nichts neues, und leider nahm er keinen Bezug auf die Nutzung in Oesterreich. In der gleichen Session erklaerte uns Hans Mahr von der Internetnutzung seiner Tochter, einem Themenkomplex, der sich mit anderen Toechtern und anderen Vaetern auf dem Podium fortsetzen sollte. Gelernt habe ich von ihm, dass die Mehrzahl der auf YouTube angebotenen Videos (illegale) Mitschnitte des Contents der Alten Medien (TV) sind (Ich selbst hatte bisher keine Zeit fuer solch umfassende, empirische Studien), dass in Oesterreich die meistbesuchten Onlineangebote die der Alten Medien sind (Krone.at fiel dabei auch, womit sich fuer mich erneut die Dringlichkeit der Breitbandvernetzung der Bauern aufzeigte) und die Neuen Medien die alten brauchen, was umgekehrt aber auch gelte. Und Alex Schmiegelow von sevenload bezog erstmals das Publikum mit ein, indem er das Sevenload-Quiz spielte. “Was glauben Sie, haben wir ueber 100 Millionen gebraucht, um unser Angebot zu starten? Ueber 10 Millionen?” Was rauskam weiss ich nicht, ist auch irrelevant, jedenfalls waren es 30 Mitarbeiter in etwa 6 Monaten. Ich kenne die Technologie, auf der sevenload basiert, und habe sie selbst als Prototyp meiner Diplomarbeit implementiert - den Underdogstatus konnte er mir daher nicht glaubhaft verkaufen. Und die Art der Selbstdarstellung von sevenload mag ich nicht, aber das ist eher mein Problem. Wenn eine Bravo/RTL2/Viva/Mainstream-Zielgruppe sevenload so cool findet wie Burda sehe ich wirtschaftlich aber keine Probleme fuer die Firma. Und inhaltliche Kontrolle sei ebenfalls wichtig, ich meine etwas von Filtern gehoert zu haben. Es kann nur ein technischer Fehler sein, dass die Suche nach Nacktem wesentlich zielfuehrender ist als bei der prueden, amerikanischen Konkurrenz und die Topfavoritenliste ebenfalls vier barbusige Damen beinhaltet. Whatever.
Nach dem Mittagessen arbeitete ich bis zur Podiumsdiskussion “Next Generation Internet”, auf der nicht wie von mir angenommen die Zukunft des Internets sondern der Informatikunterricht in den Schulen und die Nutzungskompetenz der Schueler thematisiert wurde.
Die Party im Palmenhaus war ein voller Erfolg, ich stellte Jeff Bar die fuer mich brennenden und derzeit ungeloesten Fragen zu den EC2-Instanzen und S3 persoenlich (Statische IP Adressen, DNS Probleme, Latenzzeiten, Load Balancer, Datenbankreplikation und Backups mit der gegebenen Infrastruktur und so weiter) und Paul, Esad, Christopher, Eric und ich entfuehrten ihn ins Metalab, wo wir nach Aufputschen durch sein vermutlich erstes Club Mate die wirklich interessante Session mit den wirklich interessierten Teilnehmern nachholten. Ihm scheint es auch gefallen zu haben, wie in seinem Blog nachzulesen und nachzuschauen ist. Danach brachten wir ihn ins Hotel und gingen zurueck zur Party, bei der wir auf Mike, Clemens, Walter und Max stiessen um uns wieder im elitaeren Kreis der Barcamp/Metalab/Webmontag-Teilnehmer auszutauschen (Olaf, Meral, Karin und Hans waren etwas frueher auch da) - waehrend die Anzugtraeger bei Wein und Zigarre ueber das Internetverhalten ihrer Toechter diskutieren konnten.
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